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GUNG DAO - Der Weg des Bogens

Der Begriff: GUNG DAO setzt sich aus den beiden Worten GUNG = Bogen und DAO = Weg zusammen und sind phonetische Übersetzungen aus dem Koreanischen. Der Weg des Bogen war für meine Ausbildung zum Chanpriester essentiell. Die Lehre GUNG DAO ist der japanische Lehre des KYU DO verwandt. Über die Japanische Varianten gibt es viele Publikationen, da die Kriegs- und Kampfkünste aus Japan in der westlichen Zivilisation sehr populär und vielerorts etabliert sind. Eines der schönsten auf Deutsch erhältlichen Bücher ist von Eugen Herrigel "Zen in der Kunst des Bogenschießens". Bedauerlicher Weise gibt es kaum Literatur über die im Chanbuddhismus Formen der Ausübung.

 

Ursprung und Mythen

Die Bogenwaffe gilt als eine der ältesten Innovationen der Menschheit. Dank dieses Gerätes war es dem Menschen erstmals möglich, gezielte Wirkung ausserhalb seines natürlichen Radius von Steinwurf und Sperrschleuder zu erwirken. Die Bogenwaffen war weltweit verbreitet, ausser in Australien, und das nahezu gleichzeitig in der frühen Steinzeit. In allen Kulturen waren Schützen hoch geachtet und gute Schützen wurden zu Helden. Die Mythen sind voll von Geschichten, welche deren gleichen von Willhelm Tell und Robin Hood. Die Sage vom Apfelschuss ist eine, die sowohl in der persischen, dänischen, norwegischen und isländischen Heldensage vorkommt. In letzterer wird der Held Eigil genannt und in der dänischen Variante heisst der Held Toko. Odysseus selbst legitimierte sich als "Hausherr", indem er als einziger seinen Bogen "gefertigt aus Horn" zu spannen in der Lage war - und seinen berühmten Schuss durch die 12 Äxte (die Ringe am Griff der Kriegsäxte) vollbrachte.

 

Die Kontemplation mit dem Bogen

Kontemplation* <lat.> die - innere Sammlung u. religiöse Betrachtung; Versenkung, b) beschauliches Nachdenken u. geistiges Sichversenken in etwas. Das Etwas ist "Pfeil und Bogen" - der Vorgang an und für sich die Versenkung. In diesem Kontext ist GUNG DAO, "Der Weg des Bogens" zu verstehen. Die Form der Ausführung ist zwar beschreibbar - doch besser erlebt man solches.

Streng ist das Tun
das strengste Tun ist das Nichttun
dazwischen liegt ein Schuss mit Pfeil und Bogen.

 

Die acht Triogramme

Die Formen des Bogenschiessen folgen dem Wandel, der allen Dingen eigen ist. Der Wandel ist beschrieben in den alten Formen das I GING - die 64 Formen des Wandels. Der Vorgang des Bogenschiessens entspricht dem "grossen Wandel" in dynamischer (späten Himmel) Reihenfolge.

BAGUA - ein magischer Drachenspiegel,
ein Instrument im Feng Shui, die Lebensenergie Chi zu lenken

Die acht Stufen der Wandlung werden mittels der acht Triogrammen dargestellt. Der Vorgang des Bogenschiessens wird diesem nachempfunden. Ein Zyklus des Bogenschiessens beginnt mit dem maximalen Yang von drei vollen Strichen und ist beendet, wenn dieser Zustand wiederum erreicht ist.

 

Ausübung "Die acht Formen"

Die Kontenplation mit Pfeil und Bogen - das BU CHI - das tun aus dem Nichts .

 

Der Vater (die Ruhe)

Anspannung, Entspannung, Himmel und Erde, hoch und tief, alles nur Gegenüber sind. Das Eine ohne das Andere nicht existiert, beides ohne Begegnung, zu keiner Veränderung führt. Das Fliegen des Pfeils - ist dies Beginn, gar Ende oder verweilt er nur im Wind? Höchste Kraft erfordert aktives Tun. Das Tun beginnt im Nichts. In der Ruhe, in der Stille nur, erreicht wird ein Gipfel in der freien Natur. Im inneren bereichert und im äusseren bereit, überlässt der Vater seinen Söhnen, die äussere Tat zu bereiten.

 

Der mittlere Sohn (die feste Position)

Das Ziel ist bekannt, der mittlere Sohn hat die Position erreicht. Der Sinn ist geklärt, der Stand gefestigt, das eitle Wollen nun sehr fern. Verankert die Füsse in der Erde ruhen, weit in den Himmel das Haupt gereckt. Dies ist die Verbindung zwischen Himmel (Vater) und der Erde (Mutter), sie ist unverdeckt, der Fluss (das Chi) zwischen Yang (Vater) und Yin (Mutter) durch den Sohn geweckt, das Vorhaben wird gelingen.

 

Der jüngste Sohn (die Bereitschaft)

Der jüngste Sohn ist noch nahe der Mutter (Erde, Bauch), mehr noch, als vom Vater gelenkt (Himmel, Geist). Kindlich schichtet er Pfeil um Pfeil. Geduldig eingefügt, dem älteren Bruder zum Geschenk. Zuerst den Flugpfeil, dann die anderen, mit kleinen Schritten, auf diesem Weg er zur Bereitschaft gelangt.

 

Der älteste Sohn (das Erwachende)

Der älteste Sohn, fast schon zum Manne gereift, in Habitus des allgemeinen Seins. Noch nicht Vater mit Kindern, der sitzend das Geschehen lenkt, der Mutter grösste Stütze, ein Wehrschild gegen Unbill der Welt. Eine Mauer, der Schutz der Familie, der Anker für alles, was mit Tun nun erfolgt, beflissen lebt er diese Pflicht (Kiri), jedoch fern von Stolz.


Die älteste Tochter (das Steigende)

Die älteste Tochter übernimmt das Spähen. Gross gewachsen sie sich zum Himmel reckt, dem Geistigem sich öffnend. Hier bin ich, hier verweile ich. Ich bin ein Teil davon, aus mir wirkt, was für das Zukünftige gedacht. Nicht tun ist angebracht. Sein allein, stehend offen, selbst grosser Anstrengung nicht mehr trotzend, den Vater mit Fürsorge schützt.

 


Die mittlere Tochter (das Scheinbare)

Die mittlere Tochter, beschützt von unten und von oben. Nicht mehr spielendes Kind doch auch noch nicht Frau. Zwischen der Ältesten und der Jüngsten, gegen oben gehorsam strebend, gegen unten liebend wie ein Kind. Heisssporn ja, voller jugendlicher Hitze, doch nicht so kraftvoll wie das ältere Geschwisterpaar.

 

Die Mutter (das Verharrende)

Die Mutter übernimmt die von der Mittleren vorbereitete Kraft. Sie zieht die Sehne weiter, doch mehr mit Bedacht. Erreicht fast den Gipfel der bewegenden Kraft. Dort verharrt sie leicht, an die Jüngste denkend und überlässt es Ihr, den letzten Schwung zu lenken.

 

Die jüngste Tochter (das Befreiende)

Die jüngste Tochter, voller Schwung und Kraft. Heiter fröhlich, von Pflichten befreit. Kindlich leicht und unbedacht, nimmt von der Mutter Bereitetes gerne und sacht. Das Kind mit viel Freud, den Bogen zieht nun zum Zenith und befreit den Pfeil von der gespannten Sehne. Das Tun gleicht dem erhabenen Befreien: "Fliege frei, mein schöner Freund, mein lieber, gefiederter Vogel.

 

Zum Vater (auf dem Weg zur Ruhe)

Die Kraft, der Spass, der Flug, das Zischen, Freude kommt auf, die Anstrengungen beginnen sich zu lichten. Noch klingt die Sehne, der Bogen schwingt leicht, und Ruhe kehrt mit dem Atem ein. So sammelt sich nun die ganze Familie, die Söhne, die Töchter, die Mutter das Kind, alle treffen sich wieder beim Vater und ein neuer Tag beginnt.


Der Vater (die Ruhe)

Versammelt um einen, der einzelne nicht mehr zählt, denn nur gemeinsam bewegend, der Wandel strebt. Vom Nichtsein zum Sein, vom Starren zum Weichen, der Vater zur Mutter, der Himmel zur Erde nur so es auf der Erde lebt. Nicht das Trennende schafft, nur das Verbindende. Anfang und Ende, sie gleichen sich sehr, nur in der Zeit verschieden, die Zeit auch vergeht. So ist den der zweite dem ersten gleich, nur gereifter als der erste und das auch nur vielleicht.

 

 
 
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